Die Sankt Laurentius Junggesellen-Schützengesellschaft Ahrweiler startet in ihr 400. Jahr
Alt, doch immer wieder jung!
Quelle: Pressebericht des General-Anzeigers vom 31.12.2011 von Günther Schmitt
(Ehemaliger Junggeselle und Ahrhöde Zugführer 1980)
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Sie ist wie ihre Vaterstadt, alt, doch immer wieder jung: die Sankt Laurentius Junggesellen-Schützengesellschaft. Am Neujahrstag 2012 startet sie in ihr Jubeljahr. Die zweitälteste Schützengesellschaft der Kreisstadt wird 400 Jahre alt. "Doch eigentlich ist sie noch älter", sagt Hauptmann Peter Ropertz, der der Gesellschaft, die sich jedes Jahr auf Neue aus den Junggesellenvereinen der vier Ahrweiler Huten sowie Bachem und Walporzheim rekrutiert, vorsteht. Denn in einem Ratsprotokollvon 1612 ist niedergeschrieben, dass den Junggesellen-Schützen eine alte Fahne wiedergegeben wurde. Logische Schlussfolgerung: Die Gesellschaft muss schon vorher bestanden haben.
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Hoch offiziell erwähnt wurden die Jungschützen am 15. Juni 1612. Denn unter diesem Datum steht im Ratsprotokoll, dass auf Antrag zweier Ahrweiler Bürger "den Junggesellen verwilligt worden, am nechst künftigen Sonntag (das war der Dreifaltigkeitssonntag am 17. Juni 1612) den Vogel uffzurichten und zu schießen". Es muss also schon damals einen Schützenkönig gegeben haben. Sein Name ist jedoch nicht überliefert. Die Begleitung von Prozessionen der Franziskaner des Klosters Calvarienberg mit Salutschüssen ist für die Jahre 1669, 1991 und 1713 belegt. An geschichtlichen Daten mangelt es also nicht.
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Statuten gaben sich die Junggesellen-Schützen jedoch erst im Jahr 1862. Dabei orientierten sie sich, so Albert Federle in einer Festschrift von 1928, an den Gepflogenheiten und dem Verhalten der 1403 erstmals erwähnten Ahrweiler Bürgerschützen. Kaiserreich, Erster Weltkrieg, das war alles schon Geschichte, als ein junger Mann 1924 Fähnrich und damit Vize der Gesellschaft wurde, der später eine internationale Würdigung erfahren sollte: Josef Heinen, 1889 geboren und mit den christlichen Traditionen und Werten Ahrweilers aufgewachsen, rettete in der Zeit der Nazi-Diktatur unter Einsatz seines Lebens die jüdische Familie von Gerd Sonnenfeld aus Köln vor dem Tod in der Gaskammer. Fast vier Jahre lang (1941 bis 1945) versteckte er sie in seinem Wochenendhaus bei Liers und versorgte sie an den Wochenenden mit allem Nötigen. Diese Tat der Menschlichkeit wurde am 20. Juli 1969 vom Staat Israel mit der Urkunde des "Instituts für Märtyrer und Helden", so der Name der Gedenkstätte Yad Vashem bei Jerusalem, gewürdigt. In französischer und hebräischer Sprache ist dort niedergelegt, dass für den Gerechten der Völker aus Ahrweiler ein Baum im "Garten der Gerechten" gepflanzt wurde. ER war nach Oskar Schindler der 55. Deutsche, der in die Liste aufgenommen wurde. Josef Heinen starb am 23. Dezember 1989 im Alter von 91 Jahren in Ahrweiler. Er ist dort auf dem Bergfriedhof beigesetzt.
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Mit den Nazis hatten die Junggesellen übrigens ohnehin nicht viel zu tun. Als kirchentreu verschrien, wurden sie nach dem letzten Vorkriegsschützenfest 1938 verboten. Bei dieser Art Vorgeschichte fiel es denn auch dem französischen Stadtkommandanten Paul Begel 1949 eher leicht, den Junggesellen das Aufziehen zu Schützenfest und Fronleichnam wieder zu gestatten. Einzige Einschränkung: Der Königsvogel musste wie schon ein Jahr zuvor bei der Aloisiusjugend (König Rolf Letzel) mit einer Armbrust erlegt werden. König wurde damals Paul Winfried Pomp. Die Verhandlungen mit Begel führten seinerzeit Hauptmann Werner Dittmann und der gerade aus der Gefangenschaft heimgekehrte Josef Küls. Damit war der Grundstein für den Fortbestand aller drei Ahrweiler Schützengesellschaften gesichert. Denn auch die Bürgerschützen legten nach: 1950 errag Josef Adeneuer die Königswürde und 1953 wurde ihr 550-jähriges Bestehen mit einem historischen Umzug gefeiert. Und dass das Brauchtum der Ahrweiler Schützen auch in High-Tech-Zeiten noch wie ein Magnet auf Jung un Alt wirkt, dafür trugen charismatische Hauptleute bei: So bei den Junggesellen zum Beispiel Werner Dittmann und Klaus Bruckner, bei den Bürgern (700 Mitglieder) Toni Jarre und Willi Gies.
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Amtsinhaber Peter Ropertz kann mit seinen mehr als 200 Junggesellen-Schützen jedenfalls dem Jubelfest im September mit Freude entgegensehen. Doch zuvor kommt noch das Große Schützenfest mit Historischen Trinkzug in der Fronleichnamswoche.
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Fotos: Günther Schmitt und Judith Schüller.
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